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welcome to my paradise!

artistic research + buch, 40 seiten, 21X21cm
mit einem Text von Teo Lagos

Paradies, Garten Eden, cennet, firdaws oder dschanna. Der Ort, an dem mit Adam und Eva alles angefangen hat und der Ort, den nur die Gläubigen nach dem Tod wieder betreten dürfen. Der Ort der Wonne, des Segens, des Reichtums und der Unendlichkeit. 

Nach dieser Beschreibung der Bibel führen uns mittelalterliche Gemälde, wie z.B bei Cranachs Adam und Eva im Garten Eden oder Maria im Paradiesgärtlein, zu einer Bildwelt mit vielen Bäumen, Früchten, Tieren und nackten Menschen.

Im Koran ist das Paradies (cennet) der Ort, an den nur die gläubige Muslimen nach dem Tod gelangen können. Wer sich im Diesseits an Gott wendet, hat im Jenseits Zugang zu zwei Paradiesgärten. Hier strömen je vier Flüsse: einer führt  Wasser, einer Milch, einer Wein und einer Honig. 

Ob das Paradies diesseits existiert und wenn ja, wie es aussieht, ist nicht einfach zu beantworten. Das Paradies des Diesseits ist subjektiv und eher abstrakter definiert. Das Paradies kann ein Strand am Mittelmeer oder eine Waldhütte in den Alpen sein. Für manche ist das Paradies da, wo man sich zu Hause fühlt. Im Alltag wird das Wort Paradies benutzt um die Schönheit eines Ortes in gesteigerter Form zum Ausdruck zu bringen. Es bedeutet mehr als wunderschön oder herrlich, meist ist zusätzlich etwas Magisches und Traumhaftes zu erwarteten und es wird auf eine Entdeckung oder Überraschung verwiesen. Vielleicht macht auch gerade diese ungewisse Suche nach einem Paradies, das Paradies als „Phantasieort“ attraktiv.  Es werden Paradiese entdeckt, erfunden oder selbst gestaltet, um einen „anderen Raum“ (Heterotopia) zu schaffen, der parallel zu Zeit und Ort existiert und nach seinen eigenen Regeln funktioniert.

In Berlin stößt man im Diesseits überraschenderweise immer wieder auf Paradiese. Diese Paradiese sind keine Metaphern oder abstrakte Vorstellungen sondern Läden, die wörtlich ganz konkret „Paradies“ oder „Oase“ genannt sind. So rückt das Paradies aus einer fernen Vorstellungswelt in den Mittelpunkt des Lebens und muss folglich im gesellschaftlichen und urbanen Kontext betrachtet werden.Dem entsprechend war die Ausgangsfrage meiner künstlerischen Recherche: Warum befinden sich so viele Läden in Berlin, die Paradies oder Oase genannt sind? Es sind große Läden, kleine Läden, überall in Berlin. Manche sind Fachbetriebe und manche Allesverkäufer. Angeboten wird von Kinderwaren bis Hundefutter, von Waschmaschinen bis Teppichen ein breites und vielfältiges Sortiment. Was vielfältig ist, ist nicht nur das Sortiment aber auch die Herkunft der Inhaber: Unter ihnen sind Türken, Deutsche, Araber und Russen. Eines ist klar: urbane Paradiese und Oasen haben ein sehr konkretes, gemeinsames Ziel, nämlich verkaufen. Ist also der Name Paradies oder Oase nur noch zum Anlocken der Kundschaft da? Kann man wirklich ein Paradies verwalten? Was passiert, wenn das Paradies zum Alltag wird? Ist das Paradies eine Ort des Jenseits oder ein Zwischenstopp in unserem wöchentlichen Einkauf? Ist die Oase eine Ort des Glücks, auf die wir uns im Halbtraum freuen oder ein Schaufenster in unserem Kiez?

welcome to my paradise